Mentaltraining

Beobachten - Verstehen - Verändern

Das wertvollste Geschenk und Einprägsamste meiner Kind,- und Jugendzeit waren die unzähligen, jährlichen Reisen, die uns, Dank der unermüdlichen Reiselust meiner Mutter in fremde, exotische Länder  und in die entlegensten Orte gebracht haben.

Afrika, Kanada, Asien, USA, fast ganz Europa und die Arabische Welt - in ihrer Vielfalt, Ursprünglichkeit, Armut, Schönheit, Verschwendung, Wildheit, Abgeschiedenheit, Lebensfreude und Gastfreundlichkeit. Jeder Kontinent, jede Stadt, jede Insel, jede Landschaft und Kultur tritt einzigartig in Erscheinung.

Viele Erinnerungen sind verschwommen, andere erscheinen in meinem Geiste, als wäre es gestern gewesen. So, wie die Reise nach Borneo / Sarawak 2001. Neben der Besteigung des höchsten Berges Süd-Ostasiens, dem Mount Kinabalu, dem Besuch der Orang Utans, dem mit Glück verbundenem Auffinden der größten Blume der Welt, der Rafflesia mirabilis, war es vor allem der Besuch eines der letzten Naturvölker dieser Erde - der Iban -  der mich zutiefst beeindruckte.


Diese Begegnung verhalf mir, mit meinen damals 20 Jahren, zu einer besonderen Einsicht.

Zunächst mit Langbooten flussaufwärts durch den Regenwald, einem Ort der magisch wirkt und vor Schönheit und Lebendigkeit strotzt. Und dann begegnet man Menschen, die noch wissen, wie man mit der Natur umgeht, ihre Notwendigkeit und ihr Dasein schätzen. Es ist spannend zu sehen wie sie wohnen und fast nicht zu glauben, dass die Schrumpfköpfe, die von der Verandadecke baumeln, das Werk dieser einstmals "Kopfjäger von Sarawak" sein sollen.

Auch damals schon hatte der "Westen" bei den Ibans Einzug gehalten. Kinder gingen in eine Schule, die weit entfernt lag und viele trugen normale Hosen und T-Shirts. Erschrocken hatte mich allerdings die Tatsache, dass BesucherInnen den Ibans viele materielle Geschenke mitbrachten. Der Sohn des Häuptlings zeigte uns mit ratlosem Blick den Raum, in welchem sie das Sammelsurium, der für sie wertlosen Dinge, lagerten. Er sagte, dass er nicht wisse, was er mit dem Radio anfangen solle, denn sie hätten ja nicht einmal Strom.  Dennoch wird einem schnell das einfache Leben bewusst, das diese Menschen führen und als ich dann Kinder am Flussufer spielen sah, mit ein paar Ästen, Steinen und was sie sonst noch finden konnten, wurde es mir klar. Es geht nicht darum viel zu besitzen, viel Spielzeug zu haben, sondern die Freude und das Lachen, das von den Kindern herüberschallte, war das Besondere. Sie schienen glücklich und ausgelassen und hatten Freude an dem, was die Natur hergab. Mir fiel diese Begebenheit deshalb so ins Auge, da ich zu diesem Zeitpunkt noch zu jenen Menschen gehörte, die sich dem Sammeln von Dingen verschrieben hatten und nichts wegwerfen konnten. Meine Mutter versuchte vergeblich mich dazu zu bringen, meine Schreibtischladen zu entleeren, denn diese konnte man aufgrund von Überfüllung nicht einmal mehr richtig schließen.

beim Stamm der Iban



Als wir am nächsten Tag, nach einer Übernachtung im Langhaus, wieder zu Wasser stiegen um die Rückreise anzutreten, saß ich mit einer Zufriedenheit im Boot, die ich zuvor noch nicht erlebt hatte. Meinen Rucksack hielt ich fest umarmt, war in einem Poncho eingehüllt, denn es regnete, und ich beobachtete wieder mit großem Staunen wie das grüne Dickicht an mir vorbeizog. Aber diesmal mit einer Erkenntnis reicher. Ich sah in meinem Geiste noch immer die Kinder spielend am Ufer und philosophierte vor mich hin. Ich war plötzlich aufgeregt, denn ich wusste, nach unserer Rückkehr in Österreich, würde meine erste Handlung das Ausräumen meines Schreibtisches sein. Ich fühlte mich befreit und erlebte das erste Mal das Gefühl des Loslassens, weil ich zur Einsicht gelangte, dass es im Leben um andere Werte geht, als unsere materiellen Güter.

Nach dieser Reise wurde entrümpelt und gähnende Leere machte sich breit, aber nicht in meinem Herzen, sondern nur in den übriggebliebenen materiellen Hüllen.